Klassischer Desktop toppt die Cloud!

Mehrfach totgesagt - lebendiger denn je

Verlockend sind die Versprechungen der Anbieter innovativer Lösungen für den Arbeitsplatz der Zukunft: Greifen Sie von jedem beliebigen Ort auf Ihre Anwendungen und Dateien zu. Kaufen Sie nach Bedarf und wachsen Sie flexibel. Eigentlich sind Sie erst richtig mit dabei, wenn Sie "rund um die Uhr arbeiten und alles nur noch die Hälfte kostet."

Klassischer Desktop toppt die Cloud

Aus Sicht der Anbieter macht das durchaus Sinn: Denn wem es gelingt, große Mengen an Kunden und Daten für sich zu gewinnen, der macht sich unverzichtbar, also ist sicherer Umsatz über Jahre garantiert.

Schaut man ein wenig zurück in die vergangenen Jahrzehnte der EDV-Geschichte, so finden sich im Abstand von einigen Jahren immer wieder Wellen von ähnlichen Konzepten, die das baldige Ableben des unmodernen Arbeitsrechners ankündigen. Eine öffentlichkeitswirksame These, denn Tablets und Apps liegen voll im Trend. Richtig ist diese These deswegen allerdings noch lange nicht. Der "blöde Kasten" unter dem Schreibtisch mit vielen Kabeln und surrenden Lüftern mag zwar altbacken wirken, hat aber noch lange nicht ausgedient.

Im Gegenteil, denn für die Mehrzahl der Tätigkeiten im professionellen Alltag lässt sich nach wie vor ein Arbeitsplatzrechner deutlich effizienter verwenden. Denn die meisten Menschen sind nicht permanent unterwegs und die wenigsten möchten aus dem Urlaub noch mal eben ein Dokument fertigstellen. Kein Mensch schreibt professionelle Medieninhalte auf einem iPad, sofern diese über wenige Zeilen hinausgehen. Und das aus gutem Grund. Ob im Jahr 1996 die Java Station, im Jahr 1999 Sun Ray, Thin Clients für Terminal- oder VDI-Server und viele mehr: Die Marktanteile im professionellen Einsatz im normalen Office-Bereich liegen im niedrigen einstelligen Bereich.

Nur mit einem Desktop-Rechner hat man quasi ein Schweizer Messer

Und das aus gutem Grund: Eine vernünftige Workstation für den Arbeitsplatz ist vollgestopft mit Speicher und Rechenleistung. Nur hier hat man quasi ein Schweizer Messer, mit dem die Vielzahl von digitalen Anwendungen betrieben werden kann, die wir unserem Rechner heute abverlangen. Nicht einmal Notebooks kommen an die Anforderungen heran, die wir heute an unsere Arbeitsplätze stellen. Bildbearbeitungen, Videos, Nutzung von vielen Anwendungen parallel, Verwendung mehrerer Monitore gleichzeitig, Versu-chen Sie das einmal mit einem Tablet! Vieles erscheint beim Tablet einfacher, weil es eben nur einen abgespeckten Funktionsumfang gibt und das meiste einfach fehlt. Oder Ihrem Smartphone, welches am ehesten mit einer Spielekonsole verglichen werden kann. Medien und Inhalte sollen in erster Linie damit konsumiert werden. Zum Produzieren von Inhalten benötigt man eine gute Eingabemöglichkeit - Tastatur und Maus sind hier um Welten genauer und schneller als ein Touchscreen.

Nur wenige Desktop-Rechner lassen sich als Design-Highlight auf dem Schreibtisch ansehen, allen voran der Mac, dessen dreißigjähriger Geburtstag kürzlich gefeiert werden konnte. Ein schlankes Tablet macht da mehr her, kann aber funktional keinesfalls auch nur ansatzweise dem Arbeitsplatzrechner das Wasser reichen. Jeder hat es, jeder nutzt es, um mal schnell etwas zu googlen, wirklich kaum jemand benutzt es wirklich produktiv. Wie bei allen Werkzeugen, gibt es auch Anwendungen, die auf desktopfreie Geräte quasi zugeschnitten sind. Genau dort, wo Mobilität gefragt, wenig Platz vorhanden oder nur geringe Ansprüche an Performance und Flexibilität gestellt werden. Bei guter Konzeption von Anwendungen sind heute verschiedene Plattformen für die Bedienung gleichzeitig möglich, wobei sich das Layout geeignet anpasst.

Auch in Zeiten sozialer Medien gehört der PC also nicht ins Altersheim. Wer einmal ver-sucht hat, mit seinem iPad eine Präsentation zu erstellen, überlegt sich das sicherlich gut, ob er dafür nicht einen größeren Bildschirm und eine richtige Tastatur möchte. Auch wenn Doktoren in Kliniken mit iPads durch die Station laufen, stirbt noch lange nicht der Desktop im Labor der Klinik. Ohne den Desktop-PC gäbe es kaum Inhalte für Tablets und Smartphones.

Unser Tipp: Hinterfragen Sie Versprechungen bevor Sie strukturelle Entscheidungen treffen. Nicht jeder Nutzer ist mit einem Thin Client zufrieden und in vielen Fällen halten sich in der Gesamtbetrachtung die real erzielten Kosteneinsparungen mindestens in Grenzen. Nicht selten rechnet es sich überhaupt nicht. Modetrends kommen und gehen, der Desktop ist heute wichtiger als jemals zuvor!

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