Technische Informationen zu meiner Video Camera Anwendung - Stand Februar 97

    Um eine Anwendung mit einem Live Video Bild über einen Camera Server zu realisieren, ist als wichtigste Voraussetzung eine feste IP-Adresse erforderlich. Sollte die IP-Adresse bei jedem Verbindungsaufbau zum Provider von diesem dynamisch zugewiesen werden (leider üblicherweise bei Privataccounts), müßte diese Adresse vor dem Senden des Bildes vorher in die eigene Webseite editiert, die Seite neu an den Web Server des Providers übertragen oder dem Betrachter des Bildes mitgeteilt werden, falls dieser die Seite direkt vom heimischen Rechner aufrufen soll. Ein Aufwand, der in der Praxis wohl kaum zugemutet werden kann. Zumal im zweiten Fall der Betrachter die Seite nicht fest in seinen Bookmarks abspeichern kann, sondern bei wiederholtem Aufruf diese Adresse wieder in Erfahrung bringen müßte. Abweichen von dieser Grundvorausetzung kann man derzeit nur mit Hilfe der EmuLive Technologie der Firma JcS Canada Inc., über die später noch berichtet wird. Für viele private Anwender ist diese sicherlich die einzig mögliche Variante für bewegte Videobilder, da feste IP Adressen weltweit knapp verfügbar und in der Regel nur gewerblichen Kunden zugestanden werden (Das wird sich voraussichtlich bis 1998 durch Einführung eines neuen 16 stelligen IP-Adressenschlüssels ändern).

    Weiterhin ist eine Video Camera und je nach Anwendung eine HTTP Server und/oder eine Camera Server Software (letztere bei bewegten Bildern) erforderlich. Als Camera kann prinzipiell jede handelsübliche Video Camera verwendet werden. Da diese aber in der Regel analoge Sygnale aufzeichnet, müssen diese mit Hilfe einer Video Capture Karte in digitale umgewandelt werden. Falls eine solche PC Karte (ab ca. DM 300,-) nicht je schon vorhanden ist, ist es vielleicht eleganter, sich gleich eine kleine Digital Camera anzuschaffen, die je nicht teurer als eine Video Capture Karte ist und zudem keinen Steckplatz im PC benötigt. Quasi als Standard für Internet Video Anwendungen hat sich mittlerweile die Quickcam Camera von Connectix etabliert, die die Größe eines Golfballs hat und sinnvollerweise auf dem Bildschirm plaziert wird. Sie wird an einem biddirektionalen Druckerausgang angeschlossen (LPT2 oder per Umschalter an LPT1) und ist verfügbar in einer Schwarz/Weiß- (ca. DM 200,-) und in einer Farbversion (ca. DM 500,- bei Vobis; in den USA erheblich preiswerter). Sie wird mit umfangreicher Software wie AVI-Clips Aufzeichnung und Bildspeicherung geliefert und macht mir seit Monaten viel Freude.

    Bei Standbildern ist also eine HTTP Server Software von Nöten. Hier gibt es zahlreiche kommerzielle und Shareware Programme am Markt, die mehr oder weniger kompliziert zu installieren sind. Ich habe mich für Website (Link siehe oben) entschieden, eine Software, die für Privatpersonen kostenfrei aus dem Netz geladen werden kann (ca. 4 MB), einfach einzurichten und trotzdem sehr leistungsfähig ist. Diese Software stellt den Zugriff aus dem Netz über eine URL (http://IP-Adresse:Port/Cameraseite.html) auf den eigenen PC sicher, so daß nun eine Camera Seite und ein Video Bild geladen werden kann. Sie bietet darüber hinaus alle erdenklichen Sicherheitsfunktionen, so daß ein unbefugter Zugriff auf andere Bereiche des eigenen Rechners ausgeschlossen werden kann. Über diese können auch andere interessante Funktionen wie z. B. Upload über HTTP realisiert werden (siehe oben), so daß für eine Dateiübertragung zwischen zwei Partnern nicht zwingend ein FTP Client bemüht werden muß. Falls keine Möglichkeit besteht, eine Homepage bei einem Provider abzulegen, kann diese auch ausschließlich vom eigenen Web Server geliefert werden, allerdings funktioniert das wie alle anderen hier beschrieben- en Möglichkeiten natürlich nur, wenn man selber gerade online ist.

    Wenn man nur Standbilder liefern möchte, die sich automatisch z. B. alle 30 sec. aktualisieren, werden außer der Snapshotfunktion, die bereits in der Software der Connectix Camera enthalten ist, keine weiteren Module benötigt. Hierfür ist auf Server und Client Seite ein schnelles Modem (V34) auch ausreichend, da das gesendete Bild im JPG-Format nur ca. 10 KB umfaßt und nur in Interwallen die Leitung belastet. Den hierfür benötigten Aufbau der Web Camera Seite mit Refresh-Anweisung stelle ich gerne zur Verfügung (eMail reicht).

    Wenn man allerdings Wert auf bewegte Bilder legt, die natürlich die reizvollere Anwendung darstellen, ist anstatt der HTTP Server Software eine Camera Server Software erforderlich. Diese kann mit Website (oder einer anderen HTTP Software) aufgrund der vorgehend geschilderten Vorteile auch kombiniert werden. Hierfür setze ich auf meiner Musik Camera Seite NutWBCam von Nutech ein, die in einer Demoversion (pro Connect 100 Frames) frei downloadbar ist (555 KB) und als unbeschränkte Lizenz US$ 65 kostet (es lohnt !). Diese liefert bewegte Bilder von 256 (auch Graustufen) bis 16,7 Mio. Farben, letztere Einstellung geht allerdings zu Lasten der Frame Speed. Der Server PC sollte eine gewisse Geschwindigkeit aufweisen (ab Intel 486, 100 Mhz) und ein Anschluß über ISDN über einen leistungsfähigen Provider (nicht T-Online) ist ebenfalls anzuraten. Auf den Bildserver können mehrere Betrachter gleichzeitig zugreifen (bis 256 !, begrenzbar), ein Monitorprogramm gibt Aufschluß über die derzeitige Auslastung und führt Buch über die IP-Adressen/Domains der Betrachter. Auf der Camera Seite wird ein HTML-Tag eingefügt (siehe Source Code meiner eigenen Seite), als TCP/IP Port empfiehlt sich im Falle der Kombination mit Website der Port 81, damit er mit dem Default Port 80 von Website nicht ins Gehege kommt (<img border=0 WIDTH=320 src="http://eigene IP-Adresse:81/nutcam">). Das ist auf der Camera Seite schon alles. In der Konfigurationsdatei von NutWBCam wird noch der Port (=81 mit Website, =80 ohne Website) und das eigene NutWBCam-Installationsverzeichnis nachgetragen und schon kann es losgehen. Tests von mir haben eine gute Bildqualität und Geschwindigkeit auch in die USA ergeben, die bekanntermaßen in der Regel nur über Modem Connects verfügen. Die Software arbeitet so, daß jeweils nur die geänderten Bildinformationen im JPG-Standard übertragen werden, so daß sich die Belastung beim Client insbesondere bei normaler Bewegung vor dem Bildschirm im Rahmen hält und noch parallel mit diesem über Iphone oder Webphone telefoniert werden kann. Das gleichzeitige Übertragen von Bildern aus dieser Anwendung zusammen mit dem Videofeature der neuen IPHONE Software 4.5 funktioniert auf schnellen Pentium Rechnern.

    Seit nunmehr einigen Wochen setze ich auf meiner Hauptseite (also hier) die bereits mehrfach angesprochenen EmuLive Produkte der Firma JcS Canada Inc. aus Montreal ein. Obwohl sich hinter JcS (trotz professioneller Web Präsentation) wohl nur der tüchtige Informatiker Jory Anick verbirgt, habe ich für Privatanwender noch nichts Besseres und Bezahlbareres im Internet gefunden. Die Software EmuLive kostet ca. US$ 20 (Demoversion kostenlos), unterstützt die Quickcam Cameras sowie gängige Video Capture Karten und bietet in geradezu genialer Weise auch dem in der Regel nur mit einer dynamischen IP-Adresse ausgestatteten Privatuser die Möglichkeit, bewegte Videobilder ins Internet zu senden. Das von der Camera in frei einstellbaren Intervallen erzeugte JPG-Bild (ca. 4-8 k, 4-200 Bilder pro Minute) wird automatisch in einer stehenden FTP-Verbindung auf den Web Server des Providers geladen und macht somit eine feste IP-Adresse entbehrlich. Auf der Camera Web Seite wird nur der HTML-Befehl <IMG SRC=fastframe.cgi> eingefügt, auf dem Server des Providers wird der automatische Bildwechsel mittels eines CGI-Scripts auf Perl 5 Basis ermöglicht, welches von JcS Canada Inc. zur Verfügung gestellt wird. Der Provider muß also in seinem Server den Perl 5 Interpreter eingebunden haben und CGI-Scripte zulassen (Beim Provider nachfragen, die meisten können das). Die aktuelle Anzeige von Uhrzeit/Datum im Bild ist möglich, weitere grafischen Schnickschnacks (siehe oben) sind allerdings der professionellen Variante EmuLive PRO vorbehalten.

    Letztere setze ich auf dieser Seite ein. EmuLive Pro kostet allerdings derzeit US$ 300 (Studenten zahlen die Hälfte bei Vorlage einer gültigen Immatrikula- tionsbescheinigung) und bietet neben einer schnelleren Frame Rate (4-400 Bilder pro Minute) durch ein leistungsfähigeres CGI-Script einen wahren Zauberfundus an grafischen Überblend- und Beschriftungseffekten (Testbericht bei TUCOWS, 5 Kühe !). Videobilder können in jeder erdenklichen Form verfremdet werden (Fisheye, Welle, Invert etc.) sowie mit an beliebigen im Bild plazierten Labels versehen werden (Titel, Grafik, Uhrzeit, Datum, Bildnummer). EmuLive Pro ist bereits für Tonübertragung vorbereitet, die in den nächsten Wochen implementiert werden soll. Diese Software arbeitet wie der kleinere Bruder im FTP-Modus, kann aber auch mit der ebenfalls lieferbaren Serversoftware EmuLive FSx (US$ 400) kombiniert werden, die einen noch schnelleren Bildwechsel ohne CGI-Script ermöglicht, wiederum aber eine feste IP-Adresse voraussetzt. Selbst wenn für die meisten privaten Interessenten die letzten beiden Produkte zu teuer sein dürften (Zielgruppe ist auch eigentlich die gewerbliche Klientel), lohnt sich in jedem Fall der Download der kostenfreien Demoversionen, die außer einer Laufzeitbeschränkung von jeweils 10 min. keine weiteren Restriktionen aufweisen. Bei EmuLive Pro ist ein schneller Pentiumrechner Pflicht, Windows NT ist besser als Windows 95 (nach Start von EmuLive Pro läüft nicht mehr viel parallel auf dem gleichen Rechner, Downloadgröße jeweils ca. 4-5 MB).

    Im Zuge meiner permanten Tests werde ich über meine Erfahrungen mit Internet-Videotechniken hier in lockerer Folge weiter berichten.


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    Letzte Änderung: 14. März 1997